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“Vielfalt schafft Zusammenhalt.”

Seit 30 Jahren sind die Streetworker der Mobilen Jugendarbeit in den Stadtteilen unterwegs. Axel Kreutle (34) und Tobias Maucher (41) betreuen gemeinsam den Stuttgarter Westen. Sie machen Einzelfallhilfe, vermitteln an Beratungsstellen. Von der Schloßstraße zieht die Einrichtung bald um, direkt an den Bismarckplatz.

 

AK & TM Unsere Zielgruppe sind die am Rand der Gesellschaft. Wir sind ein Sprachrohr für Jugendliche und verleihen denen eine Stimme, die oft nicht gehört werden. In Jugendhilfegremien oder im Bezirksrat vertreten wir ihre Interessen, wenn es zum Beispiel um die Gestaltung eines neuen Treffpunkts geht. Wir wissen, wo wir „unsere“ Cliquen antreffen. Im Winter ist das die Stadtteilbibliothek, weil es dort einen Kaffeeautomaten gibt, im Sommer grillen viele im Kräherwald oder chillen am Sportplatz. Das Freizeitverhalten hat sich spürbar verändert, die Jugendlichen gehen, so unser Eindruck, seltener vor die Tür. Stattdessen sitzen sie zu Hause vor der PlayStation. Wir sind Vermittler. Wenn es Probleme mit Lärm und Müll gibt, sprechen wir mit beiden Seiten, befragen die Anwohner. Unseren Jugendlichen machen wir klar, was es bedeutet, wenn sie zu laut sind: dass dann die kleinen Kinder aufwachen, zum Beispiel. So entwickeln sie mehr Verständnis.

In Stuttgart-West gibt es wenige Spannungen, es herrscht sozialer Frieden – auch weil sich hier so viele Gruppen zu Hause fühlen. Es klingt zunächst widersprüchlich, aber Vielfalt schafft Zusammenhalt. Sie sorgt für Balance, ein ausgewogenes Verhältnis im sozialen Gefüge. Es gibt kaum Abgrenzung und Ausgrenzung, weil es den Menschen generell recht gut geht hier. Kriminalität und Gewalt sind auf einem niedrigen Niveau. Das spüren wir, tauschen uns auch viel mit der Polizei aus. Das Sicherheitsgefühl ist im Westen sehr hoch.

Heute ist sich oft jeder selbst der Nächste. Dem müssen wir entgegensteuern in Zeiten der „Trumpisierung“, in der eine Partei wie die AfD immer mehr Zulauf bekommt. Wir sollten lernen, uns auch mal zurückzunehmen, etwas demütiger zu sein und anderen gegenüber achtsamer.