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“Mit Herz mehr erreichen.”

Stefanie Wilk (41) führt seit 2011 das „Stuttgarter Früchtle“. Dort bietet sie ihren Kunden täglich frische Lebensmittel sowie, Gewürze und Getränke an. Ihre Mutter Annemarie, 71, die sich bereits beim Vorbesitzer in mehr als 30 Jahren hinter der Theke den Ruf als gute Seele des Ladens erarbeitet hat, unterstützt sie dabei.

 

SW Für meine Mutter und mich ist Zusammenhalt ja quasi ein Lebens- und Arbeitskonzept. Wenn wir uns nicht bedingungslos unterstützen würden, gäbe es das Früchtle wohl nicht mehr. Das heißt für uns, dass jeder seine Stärken zum Wohle des gemeinsamen Ganzen einsetzt. Wenn ich also morgens in aller Herrgottsfrüh auf dem Großmarkt die frischesten Produkte für unseren Laden einkaufe, anschließend die Lieferungen für unsere Gewerbekunden wie dem Spätzlesschwob, dem Seniorenheim oder einer Werbeagentur durchführe und den smark-Automaten um die Ecke füttere, erfüllt meine Mutter im Laden die Wünsche unserer Kunden. Was sie ja schon seit vielen Jahrzehnten mit Herz und Leidenschaft macht. Das gefällt den Schülern der Schwabschule gegenüber genauso wie den älteren Menschen aus dem Viertel. Sollten diese übrigens mal aus gesundheitlichen oder körperlichen Gründen nicht den Weg zu uns machen können – ist es für mich selbstverständlich, ihnen die Waren nach Hause zu bringen.

Solche Gesten bekommt man dann auch zurück. Als ich beispielsweise krank war, hat sich sofort ein Nachbar angeboten, mich zum Arzt zu fahren. Allerdings wird diese Hilfsbereitschaft und das Miteinander im Viertel in den letzten Jahren etwas weniger. Vieles ist schnelllebiger und hektischer geworden. Und darunter leidet auch die Kommunikation. Genauso wie die Wahrnehmung. So kommt es immer häufiger vor, dass die Menschen vorbeigehen oder wegsehen, wenn jemand auf dem Gehsteig hinfällt oder sich Jugendliche vor der Schule prügeln. Meine Mutter schreitet da aber immer ein. Und das hat sie mir auch mit auf den Weg gegeben: ,Schau hin und helfe anderen, wo du helfen kannst, mein Kind – und schwätz mit de Leut‘ – das habe ich verinnerlicht. Und es würde mich freuen, wenn das auch die nächste Generation wieder mehr machen würde. Dann funktioniert das auch mit der Wir-Gesellschaft hier im Viertel.