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“Gefahr für den Zusammenhalt.”

Thomas Gerhardt (40) gehörte bereits in jungen Jahren einer alten Zunft an. Als Schuhmacher erfülle er sich dann vor rund zehn Jahren seinen Traum vom eigenen Geschäft. „Der gestiefelte gerhardt“ ist seither der Anlaufpunkt aller im Viertel, die gut zu Fuß sein wollen. Wenn der gebürtige Münchner mal nicht im Laden steht, findet er meist auf der Bank des angrenzenden Spielplatzes Zeit, um auszuspannen.

 

TG Für mich sind es die kleinen Gesten und Dinge, die ein funktionierendes Miteinander ausmachen. Ich freue mich, wenn mich die Menschen hier im Viertel grüßen oder anlachen – und so begegne ich ihnen auch. Gerade hier in der Nachbarschaft wird Zwischenmenschlichkeit aktiv gelebt. Sei es durch meine Vermieterin, die sich politisch engagiert und Flüchtlingen den Weg zur Integration in unsere Gesellschaft ebnet. Oder durch den Nachbar, der mir heißen Kaffee gebracht hat, als ich in der Kälte auf den Schlüsseldienst gewartet habe. Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Nächstenliebe ohne Vorurteile – diese „biblischen“ Werte schätze ich sehr, obwohl ich selbst kein sehr religiöser Mensch bin. Leider beobachte ich in letzter Zeit so etwas wie einen Verfall dieser Werte. Social Media, Selfies, Konsum werden immer wichtiger. Und der Hang zur „Ich-Bezogenheit“ und Selbstdarstellung gefährdet den Zusammenhalt. Das bereitet mir Sorgen. Ich fände es schön, wenn wir wieder einen Schritt zurückgehen und etwas mehr Verzicht üben würden. Schließlich ist es hier sehr einfach, mit dem glücklich zu sein, was man bereits hat.